| Vorige Seite | |
![]() | |
DICKHÄUTER IN DER ZIVILISATION Heike Wegner Die Jumbo-Connection für das Elefantengehege im Tiergarten Schönbrunn (Sept. 1996) war die bisher größte und in jeder Hinsicht aufwendigste Auftragsarbeit des Künstlers. Und sie scheint auf eine merkwürdige Weise in Teilbereichen und Schnittpunkten jene Kluft zwischen Entwurf und Ausführung überwunden zu haben, von der oben die Rede war. Pühringer ist es nicht nur gelungen, dem augenblicklich mit erfreulichem Erfolg auf möglichst naturnahe Beherbergung seiner Tiere bedachten Wiener Zoo eine Konstruktion zu implantieren, die uns in ihrer Ästhetik unverholen an den Technikfetischismus der Futuristen erinnert und gerade an diesem Ort, anstelle der "natürlichen" Umwelt der Tiere zum verknappten Symbol ihrer Bedrohung schlechthin werden könnte. Ihm ist es sogar gelungen dieses fremdartig konstruierte Klimadach für die Elefanten aus verzinktem Stahl und PVC beschichteten Segeln so gut den afrikanischen Akazienbäumen nach zuempfinden, daß die Kuh Anna und ihre drei Artgenossen ihr Kunstwerk nicht nur gern annehmen, sondern sich möglicherweise sogar wunderten über die Beschwerde ihrer Betreuer, es würde an manchen Stellen durchregnen. Es hat sich gelohnt, diese bis zu 12m hohen Säulen, deren Segel insgesamt mehr als 34m2 überspannen, in bis zu 4,80m hohe und bis zu 1,20m dicke Stahlbetonsäulen zu gießen - die Dickhäuter nutzen sie ausgiebig als Reibefläche, und eine Statik für 4 Tonnen mit 20 km/h will bedacht sein. "Die Tiere fühlen sich wohl", sagt Pühringer, und das kann man sehen, gerade weil es ihm gelungen ist, diese eindeutigen Zeichen der Zivilisation so zu setzen, daß sie sich harmonisch einfügen. Sie fallen auf als eine Besonderheit im Zoo, nicht weil sie auf den ersten Blick auffällig wären - und gerade deshalb. Der Künstler empfindet es daher möglicherweise völlig zu unrecht als enttäuschend, daß gerade dieses sehr aufwendige Projekt bislang verhältnismäßig wenig öffentliche Resonanz gefunden hat - und welcher Zoo hat schon Kunstwerke aufzuweisen, die für seine Tiere entstanden sind (und freilich auch in 2. Linie für seine Besucher)? Man kann sie nicht übersehen, die Jumbo-Connection, und so viele Menschen wie hier sehen sicher nirgendwo sonst eine Arbeit von Pühringer. Daß sie connections herstellt ist zweifelsfrei; welche davon bewußt wahrgenommen und reflektiert werden ist eine ganz andere Frage. Was ihre unmittelbare Wirkung betrifft, so mag der Künstler mit Recht einwenig enttäuscht sein, aber möglicherweise ist ihm auch nur die Connection so gut gelungen, daß die sensiblen, gleichmütigen und gelassenen Dickhäuter auch in ihrer Symbolik ein Teil dieses Werkes selbst sind - hier, auf dem falschen Kontinent, im falschen Klima, der falschen Umgebung, in der falschen Rolle, gemeinsam mit wenigen Artgenossen täglich den Blicken einer ungeheuren Überzahl Artfremder wehrlos ausgesetzt - und doch auf merkwürdige Weise am richtigen Platz: Jumbo Connection - Elefanten in der europäischen Großstadt. zitiert aus: Vernissage 7/97, Seite 42 |
|