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Mostar 2004: ... handelt vom Bewußtsein der Zeit und der Geschichte |
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W. M. Pühringers Projekt für die zerstörte Alte Brücke in Mostar Ausgangspunkt ist die Trauer über den Krieg im ehemaligen Jugoslawien, für die die Zerstörung der Brücke am 9. November 1993 - durch kroatische Bürger Mostars - geradezu als Symbol steht. Pühringer artikuliert Sympathie für die vom Krieg betroffene Bevölkerung. Sein Respekt schließt auch die baumeisterliche Leistung der Alten Brücke ein, die, um 1566 vom türkischen Baumeister Hajrudin erbaut, als berühmtestes osmanisches Kulturdenkmal auf dem Balkan gilt. Als Foto, auf Postkarten und in Miniaturartikeln allgegenwärtig, war die Alte Brücke vor ihrer Zerstörung auf die Liste zum Weltkulturerbe aufgenommen worden. Mit 28 m Spannweite ist sie eine der größten Brücken ihrer Zeit. Und sie ist Ausdruck der Völkerverständigung und der zwischenmenschlichen Verbindung, auch eines regen Handelsverkehrs; der Topos der Brücke steht per se für Verbindungen, Reisen, Kommunikationen, die Konnotationen, die so auch in den Entwurf von Pühringer hineinwirken, ließen sich fortsetzen. |
| Nach der gewaltsamen Zerstörung der Brücke und im Hinblick auf den für 2003/2004 vorgesehenen Wiederaufbau ist evident, daß es nicht "einfach" bei der (sinnvollen) Rekonstruktion bleiben kann, vielmehr der Bruch der Geschichte, aber auch die Geschehnisse des Krieges in angemessener Weise eingezeichnet werden sollten. W. M. Pühringers Konzeption trägt dem Rechnung, indem er den Wiederaufbau der Steinbrücke nicht in Frage stellt, vielmehr als Grundlage seines Entwurfes nimmt. Das heißt, daß seine Arbeit über der Steinbrücke zu montieren, im Grunde wieder demontierbar ist. Analog zu seinen früheren Arbeiten geht Pühringer von einer Skelettbauweise mit langgestreckten Gliedern aus Nirostahl aus. Die einzelnen Gestänge halten sich, lasten aufeinander. Zur einen Seite hin verjüngt sich die Konstruktion und gewinnt wie ein Pfeil an Höhe, ragt über die Brückenkonstruktion hinaus. Eine horizontale Schiene, die im unteren Bereich am Auflageblock auf der Uferseite ansetzt, stützt diese schrägen Streben und hält das Aufsteigen auf. |
Sie sorgt für Klarheit und den Bezug zur Umgebung. Die gesamte Konstruktion wird von leicht gewölbten gerasterten Flächen überfangen, welche den Weg über die Brücke als belebte Passage, vielleicht als Marktplatz definieren und ver- oder zusammenschiebbar scheinen. In der Tat eignet Pühringers Entwurf die Möglichkeit des Bewegbaren. Eine Radverbindung und darüber ein Kolben, der ein- und ausfahrbar scheint, suggerieren, daß die Brücke in ihrer Mitte hochklappbar sein könnte - sei es um ein riesiges Gefährt unter ihr durchzulassen, sei es, um die eine Seite vor Angriffen von der anderen zu schützen ... Pühringer verschleiert die Sprache, die möglichen Bilder des Krieges keineswegs. Er verwendet blankes Metall, und die Ausrichtung der Brücke mit ihrer Spitze bewahrt den Bezug zu einem Geschoß. Aber sein Entwurf steht ebenso - und mehr noch - für Aufbruch, einen neuen Anfang. Licht reflektiert am Metall, die gesamte Konstruktion verspricht Solidität. | Die Gestänge wirken vielleicht verletzlich, aber sie besitzen vor allem etwas Dauerhaftes; der Kolben schließlich mag symbolisch, bildhaft für Kraftaufwand und kontrolliertes, rationales Vorgehen stehen. Er deutet eine Gegenbewegung an. W. M. Pühringer setzt die Konstruktion so über den Stein, daß dieser sichtbar bleibt, Altes und Neues - auch alte und neue Bauweisen - gehen eine Verbindung ein. Und sie versöhnen das Wasser mit dem Himmel. Pühringers Entwurf handelt vom Bewußtsein der Zeit und der Geschichte und er ist aus diesem heraus als Zeichen und Hoffnung für die Zukunft zu verstehen. Die Anliegen, die W. M. Pühringer seit jeher in seinem Werk beschäftigen - der Einbezug des Menschen, ein fortschrittliches, dabei kritisches Denken, das die Geschwindigkeit unserer Zeit formal aufgreift, der Dialog von Gesellschaft und Lebensraum -, werden damit weiter geführt und zeigen die humane Dimension seiner Kunst. Thomas Hirsch, Düsseldorf |