W.M. Pühringer

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English Summary
Otto Breicha

W. M. PÜHRINGER war ursprünglich Architekt. Er hat die Baukunst, soweit man sie studieren kann, in Wien studiert. Er hat (als Architekt) der Avantgarde-Gruppe ZÜND-UP angehört, sehr am Rande am Wiener Aktionismus (als Darsteller) mitgemischt und (aus Gründen des Broterwerbs) für diverse Architekturbüros gezeichnet. Aus diesen verschiedenen Konstellationen sind seine Plastiken (und vor allem auch die Zeichnungen für diese) hervorgegangen. Sie sind am besten im Zusammenhang mit Bauwerken zu verstehen. Dafür werden sie entwickelt, sogar dann, wenn W. M. Pühringer mangels solcher Aufträge die Architektur für seine Gebilde zunächst einmal dazuerfinden muß.
Daß es sich bei diesem Zusammengehen von Plastik und Bauwerk um eine sogenannte Symbiose handelt, wäre wahrscheinlich zuviel behauptet. Vielmehr setzt W. M. Pühringer mit seinen räumlichen Erfindungen der Architektur in einer Weise zu, daß er sich verkrallt und behauptet wie die Mistel am Baum. Natürlich "beantwortet" er gewisse örtliche Vorgaben, schmarotzt an vorhandenen Konstruktionen und entwickelt das, was er entwickeln möchte, in existierende Räume hinein; unterstützt also, wenn man es so sehen kann, auf Nützlichkeit ausgerichtetes bauliches Zweckdenken durch künstlerische (nicht nur unterstützende) Kommentare. Im Grunde sind es zuwiderhandelnde Störmaßnahmen, womit sich Pühringer so oder so ins Baugeschehen einmischt. Konstruktion beantwortet er mit Dekonstruktion. Und liegt damit, aktuell gesehen, goldrichtig im Trend der Zeit. Er macht aber darum keine gerade grassierende Mode nach. Es hat sich bei ihm so ergeben, weil (wohl für eine nächste Weile nur) das, was ihm eingefallen ist, unversehens vom sogenannten Strom der Zeit ein Stück mitgenommen wird.
Ein gewisser Zweiklang der so gut wie immer verwendeten Materialien Holz und Metall kann als ein insgesamt ersprießlicher Gegensatz des einheitlichen Entwurfs empfunden werden. Seine räumlichen Anfügungen und Manöver sind (wie die Zeichnungen dazu) Verknotungen und wie geschiente Gelenke, unecht stützende Maßnahmen, um sich mit dem, was er da entwickelt, gegen das, was er vorfindet, zu behaupten.
Eine Bauwerkgemäßheit also, aber eine ganz andere als jene Bauwerkhaftigkeit, der Wotruba, mit dem W. M. Pühringer schon überhaupt nichts im Sinn hatte, in seinen späteren Figuren nachgegangen ist. Aber soweit ist W. M. Pühringer Architekt geblieben, daß er sich auf jene Formensprache versteht, deren sich die gestandenen Baumeister befleißigen. Das Aufmüpfige, das es in der "anderen" (gewissermaßen utopischen) jungen österreichischen Architektur der sechziger Jahre gegeben hat, lebt bei ihm, ins mehr Machbare gelenkt, weiter fort, wohingegen andere längst am langen Weg zu und durch die vordem lauthals vermaledeiten Institutionen unterwegs sind.

zitiert aus: Otto Breicha, Wotruba und seine Folgen, Salzburg 94, Seite 224