Vorige Seite
Nächste Seite

W. M. Pühringer, der als Mitglied der Gruppe "Zünd-up" in den siebziger Jahren als dekonstruktivistischer Architekt und Aktionskünstler (im Umfeld der Wiener Aktionisten) grössere Bekanntheit erlangt hat, führt seine Recherche in der Eroberung des Raumes in Lindabrunn fort. Die Lindabrunner Arbeit - zwischen Objekt und Installation - ist die zweite Arbeit, die Pühringer in der Landschaft entwickelt hat. Tatsächlich schliesst sie auch an die vorausgehende Premiere an. Seinerzeit hat Pühringer ein Gestell aus Stäben, die teils in der Erde verankert sind, an einem Abhang errichtet, In einer Kapsel auf dem frei schwebenden Aushänger hat er einen Baum gepflanzt, der in der Zeit wachsen wird und an Gewicht gewinnt. Um Balance, Schwerkraft, Bodenhaftung und die Lösung von diesem (durchaus auch Aspekte der Architektur, welche Pühringer nach wie vor betreibt) geht es nun auch in der Lindabrunner Arbeit. Ein Yamaha-Motorrad beendet, gleichsam wie auf einem Katapult oder einer Sprungschanze, einen Ausleger, der in die Ebene unterhalb des Steinbruches reicht; auf der anderen Seite des Gestelles befindet sich ein Steinmonolith, der von W. M. Pühringer sukzessiv so abgetragen wurde, dass sich die beiden Seiten in der Balance halten. Dieser Prozess des Abtragens ist - als Aktion - Teil der Arbeit. Jenseits evidenter Polaritäten (Natur-Technik, amorph-Design, achtlos-kostbar, Statik-Dynamik) verdeutlicht diese Arbeit die landschaftliche Situation und deren Raumkoordinaten. In der Auseinandersetzung mit der Bearbeitung des Steines und gleichzeitigen sorgsamen Überwindung solcher Konditionen erweist sich Pühringers Werk symbolhaft für die Lindabrunner Situation.

Thomas Hirsch